Statt wie geplant Hand in Hand mit dem Leben, heißt mein 5., neuestes Buch

nun: Binde deinen Kahn an einen Stern

hier eine Leseprobe

 

Das Kapitel:

DER TROPFEN IST EIN TEIL DES MEERES

 

Ein Besuch, eine Stippvisite, aus der Sicht des Augenblicks. Gott, oder das große Ganze, das sind wir alle. Wie das Meer. Der Ozean. Alle einzelnen Tropfen ergeben zusammen das Meer. Jede einzelne Welle ist trotzdem das Meer. Eines Tages beschließt ein einzelner Tropfen, das Meer zu verlassen. Er bleibt immer ein Teil des Meeres, selbst wenn er verdunstet oder am Strand einfach vertrocknet. Anders betrachtet:

Wenn ein Laubbaum im Frühling wieder Blätter austreibt, kommen diese alle aus dem Baum heraus. Sie sind ein Teil von diesem Baum. Fällt ein Blatt vom Baum, ist es immer noch ein Teil vom Baum. Nicht mehr am Baum. Aber es stammt von ebendiesem Baum. Genau wie im Herbst, die Blätter fallen. Sie sind alle Teile des einen Baumes.

 

Sehr abstrakt der Vergleich ich geb‘s zu. Ich wollte einen kurzen Umweg machen, da es mir wirklich schwerfällt, das alles, was ich fühle und erlebe, in Worte zu kleiden. Oft sind Worte so angreifbar. Einmal ausgesprochen oder aufgeschrieben, unterwerfen sie sich häufig der Meinung anderer. Da jeder Mensch die Welt im Zusam-menhang mit seinen eigenen Erfahrungen, Erlebnissen und erworbenen Glaubenssätzen und Mustern betrachtet, knüpft mein eigenes Erleben und Fühlen nicht immer an das eines anderen an. Selbst unter spirituellen oder naturverbundenen Menschen, besteht sehr oft eine gravierend unterschiedliche Denk- und Handlungsweise. Ein Baum, um bei diesem Beispiel zu bleiben, sieht für mich komplett anders aus, als für einen anderen Betrachter. Ich sehe vielleicht vor allem das Baumwesen, spüre die Energie, bin vor Demut und Dank-barkeit versunken in diesen großartigen, äußeren Ausdruck Gottes. Meine Freundin neben mir, betrachtet unterdessen die Blätter, über-legt, ob sie ein Foto macht oder möchte den Baum im Ganzen mit seiner uralten Rinde einfach nur als ein Baum im Wald bewundern. Einer sieht am Baum die knorzige Rinde, der andere die schönen grünen Blätter, die nächste sieht die Äste und ein ganz anderer den Himmel durch die Baumkrone.

Jeder würde ein anderes Foto aus einer vermutlich ganz anderen Perspektive machen. Wenn wir denken, dass wir denken, setzen wir doch häufig voraus, dass der Mensch neben uns, uns sofort verstehen müsste.

Da war Jo ein guter Lernpartner für mich. Denn er hinterfragte meine Aussagen. Er wollte wirklich wissen, wie er Dinge verstehen und dann einordnen kann. So lernte ich nebenbei, dass eins und eins nicht immer zwei sein müssen. Oder dass die Aussage: „Ich fühle diese oder jene Energie“ beim anderen Menschen als Worthülse an-kommen kann Weil dieser mit dem Wort: Energie nichts anzufangen weiß. Wir merken nicht, dass wir alle aus Energie und Licht bestehen. Wir merken nicht und wir fühlen auch meistens nicht, dass wir Liebe sind.